Ride To Life Riding the World
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Tripack

Mai 30

Wir hatten schon in Uyuni gehört, dass es in La Paz Aufstände und Demonstrationen geben sollte und tatsächlich kamen wir mit dem Bus nicht wie geplant ins Stadtzentrum, weil eine Demonstration die Zufahrtsstraßen blockiert hatte. So wurden wir aus dem Bus verfrachtet und mussten mit dem Taxi über Umwege ins Zentrum fahren. Als über den Rand des El Alto Plateaus fuhren, hatten wir eine unglaublich Aussicht über La Paz, denn El Alto liegt mit 4000m knappe 400 Höhenmeter über dem eigentlich Stadtzentrum. Wir fanden schnell eine Unterkunft und ließen den Tag ohne weiter Ereignisse ausklingen.

Nach 2 Tagen La Paz stieß Hauke, ein Freund von zuhause, der auch gerade in Süd Amerika unterwegs war, zu uns und zusammen erkundigten wir noch ein wenig die Stadt, bevor es am Dienstag mal wieder in tiefer-gelegene Gebieten ging.

Im Minibus ging es in die Dschungeltäler, den sogenannten Yungas. Nach 3 Std. kamen wir im kleinen verschlafenen Dörfchen Coroico an in dem wir ein paar Tage blieben. Unser Lodge befand sich 20 min. Fußmarsch über dem Dorf und lag an einer bewaldeten Hügelseite. Hier konnte man wieder in kurzer Kleidung herumlaufen was uns aber schnell zum Verhängnis wurde.

Denn mit dem wärmeren Klima kamen auch wieder allerlei blutsaugende Insekten zum Vorschein. Vor allem die Sandfliege, die hier wohl zu Millionen vertreten war, machten uns das Leben schwer und wir litten noch mindesten eine Woche danach an den Stichen. Im Gegensatz zum Mückenstick bemerkt man nicht, dass man attackiert wird und Pech war auch das Handelsübliche Insektenmittel hier nicht weiter halfen. So wurden wir gleich in den ersten Stunden durchschnittlich über 100 Mal gestochen und es war wieder lange Kleidung angesagt.

In Coroico ging es eher relaxed zu. Da Hauke im Besitz einer Campingausrüstung war, entschieden wir uns dazu die meiste Zeit durch Eingekauftes selber zu kochen. Das fand mal in der Natur bei Lagerfeuer oder in unserem Zimmer statt – natürlich ohne Lagerfeuer. Zu unserem Kochabenden gab es südamerikanischen Wein im Übermaß. Wo wir allerdings nicht widerstehen konnten, war das angebotene Käsefondue in einem Restaurant unten im Dorf und so aßen wir jeder gleich 2 Portionen von der herrlichen Mahlzeit. Wir waren so begeistert, dass wir beschlossen selbst Käsefondue zu machen was jedoch aufgrund unserer simplen Mittel nicht all zu gut funktionierte und noch Tage danach konnten wir kein Käse mehr sehen.

Am Freitag machten wir uns ohne langen Aufenthalt in La Paz auf fast direktem Wege zum Titicaca See an der bolivianisch – peruanischen Grenze. Dieser See ist der höchstgelegene beschiffbare See der Welt und liegt auf 3800 m Höhe. Wir kamen nach insgesamt nach 6 – 7 Std. Fahrt in Copacabana an. Was wir nicht wussten, jedoch schnell bemerkten, war, dass wir in ein einwöchiges Fest der Semana Santa (heilige Woche) geraten waren und die komplette Stadt übervölkert war. So fanden wir auch keine Unterkunft – auf jeden Fall nicht sofort und wir hatten schon damit gerechnet in Haukes Zelt übernachten zu müssen. Sämtliche Zimmer der Stadt waren belegt und die Menschen schliefen schon in den Eingangsbereichen oder hatten ihr Zelt dort aufgeschlagen wo es eine freie Fläche gab. Nach einer etwas längeren Taxifahrt fanden wir in einem etwas teureren Hostel ein Zimmer für 2, aber konnten es mit 3 Personen benutzen und einigten uns, dass einer Haukes Isomatte benutzen sollte. Dies war jedoch nicht nötig, den kurze Zeit später bekamen wir eine extra Matratze und Zubehör und so hatten wir ein kleines aber feines Dreibettzimmer. Das sehr gute und sehr große Frühstück am nächsten Morgen war im Preis mit inbegriffen und so war das Preis-Leistungs-Verhältnis gar nicht mal so schlecht.

Für den Nachmittag holten wir uns Boottickets für die kleine Insel Isla del Sol. Das überbesetzte Boot brachte uns in 3 Std. in den noch etwas weniger touristischen Norden der Insel. Die Überfahrt war unbequem weil Hauke und ich nur wenig Platz zwischen den vielen anderen Leuten hatten und waren nicht wie Anna klugerweise einfach draußen sitzen geblieben. Erst nach dem die Meisten im Süden ausgestiegen waren hatten wir freie Platzwahl und besetzten die Bootsspitze wo wir den Anblick der strahlenden Sonne und den am Horizont aufragenden Schneeberge genossen. Challapampa, unser Zielort, hatte nach unseren Schätzungen etwas 200 Einwohner und es gab eine handvoll Unterkünfte und Restaurants für Besucher.

Ein kleines Mädchen fing uns schon am Steg ab und zeigte uns eine gute Unterkunft die wir auch gleich bezogen. Am Ostersonntag machten wir eine Tageswanderung zu den im Norden gelegenen Inkaruinen und weiteren Relikten aus der Inkazeit. Da die Insel sehr bergig war, hatten wir auch bei den kurzen Distanzen ordentlich körperliche Ertüchtigung, zumal die Höhe es schon schwierig machte die Berge empor zu wandern. Gen späten Nachmittag kamen wir dann querfeldein von den Bergen wieder zurück ins Dorf. Den nächsten Tag verbrachte jeder wie er wollte. Hauke machte sich auf den Süden der Insel zu erkunden, während wir das Dorfleben beobachteten und die warme Sonne genossen bis wir uns nachmittags wieder mit Hauke trafen und den Tag ausklingen ließen – mit zwei Flaschen Wein und Knabberkram.

Am Tag danach ging es wieder rüber nach Copacabana wo wir noch eine Nacht verbrachten bevor es für uns wieder auf getrennte Wege ging. Hauke machte sich auf den Weg zurück nach La Paz um weiter durch Bolivien zu reisen und für uns zur nahegelegenen Grenze. Nachdem wir uns herzlich verabschiedet hatten ging es zum 8 km entfernten Grenzposten wo wir die normale Aus- und Einreise Prozedur hinter uns brachten und die Grenze überquerten – wiedermal zu Fuß. Die anschließende Verbindung in die nächste größere peruanische Stadt war gut und so ging es ins nächste Land – zusammengequetscht in einem Minibus.

The Rough Southwest

Mai 30

Am nächsten Tag – Mittwoch- ging es für uns in 6 Std. in die Salzwüstenstadt Uyuni.

Die 20.000 Einwohner Stadt ist wohl der letzte größere Außenposten vor der unwirtlichen Landschaft des Südwestens. Zudem gilt die Stadt als Ausgangspunkt für die Touren über den Salzsee und weiter gen chilenische Grenze. Außer den angebotenen Standarttouren waren aber auch noch weit abenteuerliche Ausflüge möglich. Wir beiden hatten uns in den Kopf gesetzt aus den normalen 3 Tagen eine 4-5 Tagestour zu unternehmen, um den abgelegenen Vulkan Uturuncu zu erklimmen, der knapp über 6000m liegt und nicht Teil der üblichen Exkursion ist. Nach dem Einholen von Informationen wurde uns allerdings ziemlich schnell bewusst, dass dieses Unterfangen durch den Mangel von Gleichgesinnten nicht ausführbar war. Wir fanden zwar Interessierte doch die Kosten lagen bei einem nicht ganz vollbesetztem Jeep einfach zu hoch für uns.

So trafen wir auf Tanja und Mathiass, zwei Hamburger, die mir dem Motorrad unterwegs waren waren und nachdem wir uns abends wieder getroffen hatten, beschlossen wir die Spezialtour erst mal sein zu lassen und einem Tipp nach, den Salzsee in einem öffentlichen Bus nach Llica, einem kleinen Dorf auf der anderen Seite, zu überqueren. Der Vorteil hierbei war der günstige Preis und, dass der Bus den See komplett überquerte. Vom Einholen der Informationen wussten wir nämlich, dass die Jeeps aufgrund des Wasserspiegels auf der Salzkruste nicht sehr weit hinauf fuhren und nach ein paar Kilometern umdrehten. So verabredeten wir uns für den nächsten Morgen am Abfahrtsort des Busses. Der Bus war voll besetzt und auch bis zum Anschlag beladen. Der wahrscheinlichste Grund hierfür war vermutlich der gerade gewesene Markttag in Uyuni und so waren die Bewohner von Llica herüber gekommen um ihre Besorgungen zu erledigen. Nun ging es für 25 Menschen, 100 Liter Cola und Bier, sowie für etliche Kilo Reis und diverses anderes Gemüse in 6 Std. über die wundersame Salzfläche.

Der „Salaar de Uyuni“ ist der größte See seiner Art und besitzt auf seiner Oberfläche eine bis zu 15 m dicke Salzschicht, die es Fahrzeugen erlaubt diesen das ganze Jahr zu überqueren. Die 15m Salz bilden eine ziemlich sichere Fläche für solche Überfahrten, auch wenn es schon während der Regenzeit zu Einbrüchen gekommen ist. Dennoch verlief unsere Fahrt ohne Probleme und wir konnten sogar zwei mal aussteigen um Fotos zu schießen und die Landschaft hautnah zu erleben. Das Fantastische ist, dass, wenn der See trocken liegt, man eine unendliche glatte Fläche um einen herum hat und das einzige, was am Horizont zu sehen war, waren die weit weit entfernten Berge. Sobald allerdings einige wenige Zentimeter Wasser auf der Salzkruste liegen, verschwimmt allles wahrnehmbare. Man selbst fährt durch ein endloses Wolkenmeer und der Horizont verschwindet komplett durch die perfekten Spiegelungen. Die Fahrten durch diese surreale Landschaft waren atemberaubend und das kleine Dorf Llica, in dem wir ankamen, trug zu unserem kleinen Abenteuer nur bei. Es gab zum Glück zwei kleine Gasthäuser, in den wir unterkommen konnten. Außer uns waren keine Reisenden hier, was sehr schön war. Am Abend wohnten wir noch eine gut besuchten Sportveranstaltung in einer großen Halle bei, die sich aber sehr in die Länge zog und wir irgendwann schlafen gingen.

Zurück in Uyuni beschlossen wir uns dann einer normalen 3-Tagestour anzuschließen, was wir letztendlich auf keinen Fall bereuten. Zusammen mit 2 finnischen Mädchen aus Helsinki, einem verrückten Peruaner und seiner englischen Freundin ging es am ersten Tag auf den Salzsee, welchen Anna und ich schon zu genüge kennengelernt hatten und froh waren, dass der einzige Eindruck des Sees nicht durch ein Dutzend andere Jeeps und dementsprechend vielen Menschen getrübt wurde. Was allerdings schön anzusehen war, war der Eisenbahnfriedhof am Rande der Wüste wo alte ausrangierte Lokomotiven vor sich hin rosten und zusammen mit den umliegenden Schneegipfeln einen unterhaltsamen Anblick liefern. Die erste Nacht verbrachten wir in einem kleinen Dorf südlich des Salzsees und wir beide waren auf die nächsten beiden Tagen gespannt, die uns in die wüste Landschaft der Hochanden auf 4000 m – 5000 m führen sollte. Den ganzen 2. Tag ging es durch die Geröll-landschaft dieser Höhen. Die einzige Vegetation, die noch verblieb, waren Gräßer, die zwischen dem Geröll wuchsen. Wir waren nun so hoch, dass es auch tagsüber sehr kalt war und die Schneegrenze, die auf Grund zur Nähe zum Äquator hier sehr hoch liegt, lag nur etwa 100 m über den Schotterwegen die wir befuhren.

Das Besondere an den Landstrichen, war, dass hier und da flache Bergseen, sogenannte Lagunen gab, die tatsächlich von einer speziellen Art der Flamingos bewohnt wurden. Dieses Schauspiel trug nicht gerade dazu bei, die Landschaft für unser eins realitätsnäher zu gestalten. Am frühen Abend kamen wir zur sogenannten Laguna Colorada, die durch eine seltene Algenart rotes Wasser besaß, welches sehr merkwürdig anzuschauen war. Mitten im Nichts gab es hier einige wenige simple Unterkünfte die wir an unserer 2. Nacht belegten. Die Nacht war relativ kurz da wir schon um 4:00 Uhr morgens im stockdunklen und bei gefühlten 40° Celsius unter Null aufbrachen. Der erste kurze Stopp war ein Feld von Geysiren auf 5000 m Höhe doch viel konnten wir nicht sehen, da es noch nicht wirklich heller geworden war, und wir sollten später am Tag nochmals hier hin zurückkehren. Hier wurde deutlich welche vulkanische Aktivität herrschen musste, denn die Wasser- und Schlammlöcher blubberten freudig vor sich hin und überall schoss heißer Wasserdampf aus Rissen in der Erde. Auf dem letzten Stück gen chinesischer – ach ne, chilenischer Grenze – hielten wir zum frühstücken an heißen Thermalquellen die uns bei Sonnenaufgang nach dem frostigen Start in den Tag wieder aufwärmten.

An der chilenischen Grenze verließen uns die 2 Finninnen an dem wohl einsamsten Grenzposten der Welt und von hier ging es in einer langen Fahrt zurück nach Uyuni, von wo aus wir uns schon Zugtickets in Richtung La Paz gekauft hatten. Wir kamen am frühen Abend an und unser Zug ging kurz nach Mitternacht nach Oruro. Wir überbrückten die Zeit mit Abendbrot und Rumgehänge in den Restaurants, während unser Gepäck von Jakob, einem Dänen, den wir auf der Tour kennengelernt hatten untergebracht war. Leider war er am letzten Tag krank geworden und konnte uns keine Gesellschaft leisten. Gute Besserung an dieser Stelle! Der Zug war super bequem und nach den 3 Tagen Dauerprogramm schliefen wir die 7 Std. nach Oruro komplett durch. Von Oruro waren es noch 3 – 4 Std. Busfahrt in die größte Stadt Boliviens.

The City of Silver

Mai 30

Wir kamen Samstagmorgen im schweinekalten Potosi an und mussten erstmal Schlaf nachholen, denn im Bus hatten wir es nur paar Stunden geschafft.

Wir merkten nicht nur an den Temperaturen, dass wir uns auf 4000m befanden, sondern insbesondere auch durch den niedrigen Sauerstoffgehalt in der Luft. Am besten zu erkennen am tiefen und schweren Atem holen, wenn man nach einer bergigen Straße oben angekommen war. Oder auch wenn man nur kurz den Atem angehielt, musste man danach schon fast nach Luft japsen ! Durch den permanenten Sauerstoffmangel waren wir auch viel müder als sonst.

Da wir an einem Wochenende angekommen waren, war die Stadt eher leergefegt – ein oftgesehenes Phänomen hier in Bolivien. Wir guckten uns das leere und ruhige Potosi an – was definitiv auch seine Reize hatte !- und am Montag buchten wir eine Tour in die umliegenden Minen.

Das besondere an diesen Minen ist, dass dies definitiv keine Museen waren, sondern, dass in ihnen immer noch gearbeitet wurde. Jede der 42 Minen wurde von einem Kooperativ von Minenarbeitern verwaltet, die die Minen besaßen und so auch selbst ausstatten mussten, wie alles aus eigener Hand bezahlen. Es gibt keine Unternehmen, welche dies übernehmen. Da der standardmäßige Monatslohn eines Minenarbeiter bei normalen Verdienst bei umgerechnet 65 Euro liegt, kann man nicht gerade davon ausgehen, dass die persönliche und die generelle Ausstattung auf einem guten Stand sind. Ganz im Gegenteil waren die Arbeits- und Sicherheitsstandards unmenschlich und leider im europäischen 19. Jahrhundert anzusiedeln- wenn überhaupt.

Die Minenarbeiter arbeiten entweder in Gruppen oder für sich in den weit verzweigten Stollen der Minen. Da jeder Arbeiter nur so viel verdient, wie die Menge, die er letztendlich an Mineralien, wie z.B. Silber, Zink oder Kupfer aus dem Berg holt und deren aktuellen Preise aus dem Weltmarkt, arbeiten diese in dementsprechend langen Schichten und manchmal sogar die Nächte durch.

Das Arbeitsklima reichte vom Gefrierpunkt auf einer Höhe von 4200m bis hin zu 40° Celsius im Inneren des Cerro Ricos. Schutzkleidung wurde nur in Form von einem Helm und Handschuhen getragen. Atemschutzgeräte, Gasmasken, Protektoren oder Schutzbrillen gab es im ganzen Minenareal nicht. Die Arbeiter sind den giftigen Gasen, dem Staub, der nur zu oft giftige Stoffe, wie Asbest oder Silicia enthält, oder herabfallenden Felsbrocken schutzlos ausgesetzt.

Sehr viele Arbeiter sterben hier durch Einstürze ihrer Stollen. Wenn die Minenarbeiter jedoch ihre Arbeitszeit überleben, stehen die meisten mit Atemwegserkrankungen wie Krebs oder einem zu ¾ vermindertes Lungenvolumen da. Dies ist in der Regel nach 25 Jahren der Fall für die, die sich dann zur Ruhe setzen können und eine lausige Rente von 15$ per Monat bekommen.

So ist es nicht verwunderlich, dass viele Arbeiter weiterarbeiten, bis sie körperlich nicht mehr können. Im Todesfall bekommt die Familie die Rente.

Um ihren Arbeitstag erträglicher zu machen, kauen die Bergleute raue Mengen an Koka, welches gegen Ermüdung, Kälte und Hunger hilft und trinken den unter den Bergleuten typischen 96% Zuckerrohrschnaps pur und nach ihrer Schicht mit Wasser verdünnt.

Vor jedem Einfahren (im Bergleuteslang für das Betreten der Mine) in die Mine opfern die Männer kleine Mengen an Alkohol, Koka und Tabak der Patschamama (Muttererde) und dem Teufel, von dem die Arbeiter glauben, er besäße die Mineralien im Inneren des Cerro Ricos. Dies waren die zwei Götter für die Arbeiter. Weiter glauben die Begleute, dass die Anwesenheit ihrer Frauen unter Tage sie in die Missgunst Patchamamas brachten, da diese durch die Arbeiterfrauen eifersüchtig werden würde.

Wir waren die Einzigen mit dem Guide, was viele Vorteile hatte. So fuhren wir drei also mit den kleinen öffentlichen Bussen durch die engen Gassen in Richtung Minen. Auf dem Weg machten wir dann halt, um uns in Arbeiterkluft zu schmeißen. Die Bekleidung bestand aus Überjacke und -hose, sowie Gummistiefeln, Helmen und batteriebetriebenen Kopflampen mit einer Laufzeit von 28 Std.. Nachdem wir umgezogen waren ging es zu den kleinen Läden, die alles anboten, was die Arbeiter brauchten. Hier konnte man Materialien für den Bergbau kaufen, Koka, Alkohol, Stiefel, Handschuhe und Helme und Dynamit. Hier erklärte uns der Guide, dass die Preise für Mineralien sich täglich änderten und dass der Preis ( 38$ für eine Unze Silber ) momentan gar nicht so schlecht war. Wir lernten, dass das argentinische Dynamit besser ist als das bolivianische und auch das aus Peru. Uns wurde gezeigt, wie man Detonator und Lunte befestigen musste und dass 1m Lunte einem nach dem Anzünden 3min Zeit gab, um sich in Sicherheit zu bringen. Wir kauften für umgerechnet 4€ zwei komplette Sets Dynamit, Explosionsverstärker in Form von in Diesel getränkten Kügelchen, 4 Liter Getränke und einen großen Beutel Koka als Geschenk für die Bergleute. Dann ging es weiter bergauf gen Mineneingänge und nachdem wir bei unserer Mine namens „La Negra“ (die Schwarze) ankamen, ging es auch recht schnell hinein. Jedoch nicht ohne vorher noch eine Ladung Koka in den Mund zu bekommen.

Die Stollen waren nicht größer als nötig und selbst der Hauptstollen war teilweise so niedrig, dass wir fast krabbeln mussten. Wir folgten ungefähr 500m den Schienen der Trolleys und trafen unterwegs nur einen Miner, der gerade damit beschäftigt war die Stützkonstruktion als Holz auszubessern, denn einige der verbauten Stämme waren gebrochen.

Nachdem wir den Hauptstollen verlassen hatten, wurde es schlagartig wärmer und als wir durch einen sehr engen Nebenstollen gekrochen waren, um einen Miner namens Pancho zu besuchen, war es schon 28° Celsius warm. Zusammen mit Pancho kauerten wir uns in ein winziges Kämmerchen, welches sein Arbeitsplatz war. Unser Guide diente uns als Übersetzer, was ganz gut bei unseren mangelnden Spanischkenntnissen war. Pancho war einer der wenigen Miner, der anstatt auf Quantität zu setzen mehr von Qualität hält. Er arbeitet alleine dort im Berg und erfuhren zudem, dass er wie viele andere mit 15 Jahren angefangen hatte. Hier ist kein Schulabschluss nötig, denn für eine 3-jährige Ausbildung bei einem erfahrenen Miner, waren keine Aufnahmekriterien vorzulegen. Pancho ist 53 Jahre alt und hat somit den Durchschnitt der Miner überlebt, welches allerdings zu Lasten seiner Gesundheit ging und er würde bald nicht mehr hier arbeiten können. Wir überließen ihm unsere Dynamitsets und setzten unseren Weg fort und besuchten eine kleine Gruppe von Arbeitern, die im gleichen Stollen arbeiteten und gerade nach einer Sprengung freigesetzter Material aus dem Stollen brachten. Ich durfte auch mal eine Schubkarre füllen und im Laufschritt den engen Gang hinaus befördern. Durch die hohe Temperatur und dem Mangel an Sauerstoff war dies alles andere als normale Arbeit und schon nach einer Fuhre musste ich eine Pause einlegen – bei der gleichen Arbeit, die die Miner 8 Std. oder mehr am Tag erledigten. Nach diesem Besuch traten wir den Rücktritt an die Oberfläche an. Der Aufenthalt in der Mine beschreibt sich nicht so lang, jedoch waren wir 2 ½ Std. unter Tage gewesen und waren mehr als froh wieder auf dem kalten hellen Berg zu stehen. Anna hatte die Tour ohne Probleme überstanden, doch auf Grund meiner Körpergröße hatte ich Schmerzen in Oberschenkeln und Nacken und war froh mich wieder aufrichten zu können.