Ride To Life Riding the World
Browsing all posts in: Nepal

Pokhara, Phewa Tal and Paragliding

Oktober 3

Nach 2 schnellen Tagen Kathmandu, ging es am Dienstag, d. 21.09.10 um 07:30 Uhr, nach Pokhara. Pokhara ist nach Kathmandu die 2. größte Stadt Nepals mit ca. 200.000 Einwohnern. In ca. 8 Std. sollte es in die 200 km entfernte und auf 800 m liegende Stadt gehen. Endlich verlief eine Busfahrt ohne größere Probleme. Auch Nepals Hauptverkehrsroute zwischen Kathmandu und Pokhara war eine Woche vor unserer Anreise drei Tage von einem Erdrutsch blockiert worden. Zum Glück fuhren wir nur an denen noch sichtbaren Spuren vorbei. Nachdem wir die lässtigen Hotel-Touts hinter uns gelassen hatten, ging es per Taxi in den ruhigeren Norden des Touristenviertels Lakeside. Da wir nicht wieder mitten im Trubel stecken wollten, nahmen wir uns ein Zimmer in einer sehr simplen, aber ruhig und idyllisch gelegenen Logde, mit Blick auf den Phewa Tal Lake. Das Zimmer bestand aus 2 Betten, einem kleinen Tisch und dem Ventilator an der Decke. Die 2 Toiletten und die eine Solardusche wurden von Allen geteilt. Die Lodge hieß “Banana Garden Lodge” und wurde von einer netten Familie geführt, die gleich nebenan wohnte. Glücklicherweise ist es hier noch Nebensaison und alles ist noch schön ruhig und nicht zu überlaufen.

Mittwoch und Donnerstag waren eher unproduktive Tage, denn das Wetter machte, durch ganztägige Regenschauer, jegliche Unternehmungslust zu nichte. Dazu kam noch, dass Lasse sich eine Magen-Darm Verstimmung eingefangen hatte und mehr oder weniger im Bett anzufinden war. Donnerstag Nachmittag schafften wir es jedoch eine Bootstour zu einer Tempelanlage zu machen, die auf einer Insel, inmitten des Sees lag. Nass aber glücklich wenigtens eine Sache gemacht zu haben, kamen wir abends in unserer Lodge an. Am Freitag Morgen gab es keine Spur mehr von irgendwelchen Regenwolken und auch Lasse ging es wieder besser. Nach dem Frühstück hatten wir uns Fahrräder ausgeliehen, um das Nordufer des Sees zu erkunden. Leider kam es nicht soweit, denn nach 5-6 km zischte es plötzlich laut und Lasses hinterer Reifen war platt. Weiter konnten wir nicht, also hieß es die Strecke zurück nach Lakeside schieben. Nach einer Pause im Schatten und 2, zum Glück, eiskalten Pepsis gelang es uns einen leeren Transporter anzuhalten, der auf dem Weg gen Lakeside unterwegs war. Wir und die Fahrräder waren schnell auf der Ladefläche verstaut und der freundliche Fahrer nahm uns mit zurück. Da das Wetter nach mehreren Tagen endlich besser geworden war, konnten endlich die ersten Paraglider von den umliegenden Bergen starten. Da wir viele von denen auf unserer Radtour gesehen hatten und wir dies auch mal ausprobieren wollten, meldeten wir uns noch am gleichen Abend für eine Tandemflugstunde am nächsten Morgen an.

Ehe wir uns versahen saßen wir nach einen schnellen Frühstück im Jeep, der uns samt Pilotencrew und Ausrüstung auf den naheliegenden Sarangkot fuhr. Unsere Take-Off Zone lag mitten auf dem Berg auf ca. 1600 m Höhe. Tatsächlich gab es nicht viele Anweisungen für uns. Es wurde erklärt wie wir uns, erstmals in der Luft angekommen,  hinsetzen sollten und wie der Start von statten ging.                                                                       Dies wurde ungefähr so beschrieben: “You have to run as fast as possible and as long as your pilot will give you the command to sit down!”.

Misstrauisch schauten wir auf die 15 m Laufweg bevor der Hang steil nach unten abbrach. Aber es dauerte auch nicht lange bis wir startklar waren. Der Start kam dann auch ziemlich zügig.

“Are you ready to run?” “3…2…1…GO GO GO!”

Man hatte so ungefähr 10 m geschafft, da wurde man schon wieder ziemlich hart von dem, nun in die Luft gestiegenen, Schirm abgebremst. Aber dennoch, als es steil nach unten ging, hing man schon unterm Schirm und es konnte durch die Luft erstmal nach unten gehen. Was tatsächlich ein ziemlich geiles Gefühl ist. Durch die gute Thermik flogen wir bald etliche 100 m über der Take-Off Zone und genossen den Flug. Also auf jeden Fall ich, denn Anna wurde es schon nach 15 min. zu bunt und musste sich übergeben. Dennoch kam sie nach 40 min. heil an der Landing Zone an. Wir können Paragliding nur jedem ans Herz legen, denn es ist ein absolut geiles Erlebnis mit einer großartigen Aussicht auf Pokhara und die anliegenden Berge.

Erfolgreich brachten wir auch die nächsten Tage hinter uns. Am Sonntag machten wir einen Tagesausflug zu Fuss nach Old Pokhara, dem ältesten Stadtteil Pokharas. Hier konnte man sich ansehen, wie die Stadt war bevor der Tourismus, die vielen Hotels und vielen Restaurants kamen. Am Abend dann, erlebten wir unser erstes richtiges Monsun-Unwetter mit der Art heftigen Regen, wie wir ihn noch nie erlebt hatten. Innerhalb einer halben Stunde waren sämtliche Straßen überflutet, der Strom war schon nach 10 min. ausgefallen und sobald man einen Fuss auf die Straße gestellt hatte, war man auch schon klatschnass.

Am Montag Abend war auch schon unser pre-departure-meeting für den 3 Tage Raftingtrip. Sehr erfreut dadrüber, dass sich doch noch 4 weitere Personen gefunden hatten, die mitkommen wollten, erhielten wir unsere ersten Infos. Abfahrt zur Drop-In Zone war um 7:30 Uhr und plötzlich, kurz vor Abfahrt, sahen wir sie. Die langersehnten Schneegipfel, auf die wir fast einen Monat gewartet hatten. Eigentlich hatten wir uns schon damit abgefunden, diese nicht mehr zu Gesicht zu bekommen und uns gesagt, dass es auch nur Berge wie alle anderen seien, aber da hatten wir uns getäuscht. Der Blick auf diese riesen Bergmassive, von denen kein einziger Gipfel unter 6000 m lag und der höchste, der Annapurna II, sogar fast die 8000 m Marke erreichte, hatte schon etwas ganz besonderes.

The 16th highest mountain of the world Annapurna II with 7937 meters

Nach 3 Stunden Busfahrt waren wir am Fluss angekommen und während sich die eine Hälfte des Teams damit beschäftigt war, alles für das Rafting zu verschnüren und fertig zu machen, kümmerte sich die andere Hälfte ums Mittagessen. Neben uns, einem englischen Pärchen, einer weiteren Engländerin und einer Spanierin waren noch 6 Teammitglieder mit dabei. 3 Rescue Kayaker, 2 Mann Besatzung für den Katamaran, auf dem das ganze Allgemein-Gut transportiert wurde und unser Guide, der uns und unsere wasserdicht gepackten Rucksäcke den Fluss runter steuern sollte. Nachdem wir eine umfassende Sicherheitsbesprechung hatten, mit vielen Regeln, an die wir uns bestimmt nicht erinnern konnten, sollte es erst mal zum Kentern kommen, ging es dann los. Die wichtigsten Kommandos waren schnell verinnerlicht: “Forward!”, “Backward!” , “Stop!” und “Hold On !”. Schnell stellte sich heraus, dass wir an keinem der Tage einen einzigen trockenen cm² an uns finden würden. Was uns natürlich alle erfreute, denn es ging mitunter ziemlich heftig zur Sache. Doch selbst nach den ersten 4 Stunden war keiner über Bord gegangen und wir waren froh und glücklich. Um 15:00 Uhr ging es dann an Land und an einem der vielen Sandstrände bauten wir Zelte, Tische, Klo und div. anderen Sachen auf. Es gab Tee und Kaffee und später Abendbrot. Später saßen wir noch alle zusammen und redeten über den Tag und über Gott und die Welt. Nach einer harten, aber erholsamen Nacht, gab es Rührei und Toast zum Frühstück und kurz danach wieder auf den Fluss. Eigentlich wollten wir uns gar nicht vorstellen, was passieren würde in einer reißenden Stromschnelle über Bord zu gehen. Aber gleich am 2. Tag mussten alle diese Erfahrung machen, außer Anna und der Guide, die sich beide im Raft halten konnten. Mich hatte es gleich 2 mal an diesem Tag erwischt. Das Raft hatte sich beide Male auf ca. 80° zur Seite geneigt und beide Male wurde ich mit einem Ruck aus dem Boot befördert. Da ich mich immer am Raft festhalten konnte, nachdem ich wieder an der Oberfläche war, fand ich mich auch immer wieder sehr schnell im Boot wieder. Dennoch war es jedes Mal ein adrenalinreiches Erlebnis, sich irgendwie halb unter Wasser am Raft festzuhalten. Später am Tag gingen nochmal die beiden Engländerinnen über Bord, die so schnell weit weg getrieben waren,dass die Kayaker sie an Land ziehen mussten.

An diesem Abend hatten wir die Möglichkeit Bier, Rum und Whiskey zu kaufen und wir saßen noch länger zusammen, spielten Trinkspiele und stellten uns gegenseitig einige Rätsel. Am Tag 3 galt es die letzten Kilometer auf dem Fluss heil zu überstehen. Wir waren schon alle wieder durchnass, als das Raft entgültig kenterte. Diesmal blieb keiner verschont und die Kayaker hatten alle Hand voll zu tun, die Leute, die sich nicht am Raft halten konnten, und die Paddel zu retten, die mit großer Geschwindigkeit den Fluss runter trieben. Ich kam unterm Raft wieder zurück zur Oberfläche, was aber kein Problem war, denn es hatte sich genug Luft unter dem Boot angesammelt. Anna und mir gelang es uns am Raft festzuhalten, während unser Guide schon auf dem gekenterten Raft stand und versuchte dies wieder anhand einer Leine umzudrehen. Dies ähnelte dem Aufstellen des Segels beim Windsurfen, nachdem man vom Brett gefallen ist. Nach diesem Disaster wurde der Fluss dann ruhiger und wir durften alle ins Wasser springen und uns einige Kilometer den Fluss treiben lassen. Nach 10 min. waren die Spanierin, Anna und ich schon ziemlich weit vom Raft entfernt und die Kayaker vor uns symbolisierten uns, uns in der Mitte des Flusses zu halten, da das Wasser doch recht heftig auf die Felswände traf, wo der Fluss die nächste Kurve machte. Was sich einfach anhörte, war schier unmöglich für otto-normal Schwimmer wie uns und nur knapp verpassten wir die Felswand. Wir können nur sagen, dass es ganz schön hart ist, sich gegen Wasser wehren zu müssen, das einen mit ca. 3-4 m/s den Fluss mit runter nimmt und hier war der Fluss sogar schon sehr ruhig geworden. Die Raftingtour war dann auch leider schon zu ende. Die 3 Tage waren eines der besten Sachen, die wir bisher erleben durften. 3 Tage lang in mitten von Dschungel bedeckten Bergen mit nur wenigen kleinen Siedlungen hier und da waren einfach genial.

Nachdem wir alles wieder im und auf dem Bus verstaut hatten, wir 5 Std. zurück nach Pokhara gefahren waren, uns verabschiedet hatten und abends totmüde ins Bett gefallen waren, ging es am nächsten Morgen schon wieder zurück nach Kathmandu, wo wir die letzten 3 Tage in Nepal verbringen werden.

In den letzten vielen Tagen haben uns am Meisten die Nepalesen an sich beeindruckt. Wir verstehen einfach nicht, wie man so freundlich, ruhig, geduldsvoll und mühseelig sein kann und das bei solch simplen Lebensbedingungen wie hier. Wir sind überzeugt, dass jeder Nepalese von klein an irgendetwas Nützliches kann, sei es Schweißen, Holz oder Steinbearbeitung oder zumindest das Reparieren von Motorrädern, Bussen und Trucks. Denn hier wird noch das meiste in Handarbeit gemacht und sonst auch alles selber zusammen getüfftelt. Oder sei es, dass die Nepalesen viele Kilometer weit laufen, nur um in die nächste Siedlung zu gelangen oder von den Bergen Futter für das eigene Vieh zu holen. Diesen Fähigkeiten, finden wir, gebührt großer Respekt.

Am Montag geht es für uns weiter nach Phuket in Thailand von wo aus wir uns wieder melden werden.

The bumby road to the wild wild east…and back again!

September 20

Montag um 7:00 Uhr Ortszeit ging es für uns los. 150 Km in den wilden Osten, nach Jiri, ein Bergdorf auf knapp 2000 m in dem ca. 7000 Seelen wohnen. Die Bustickets für den Bus hatten wir uns schon am Vortag geholt und schon dort gemerkt, dass das Auffinden des Busses am nächsten Morgen sehr schwierig werden würden. Denn der Busbahnhof von Kathmandu besaß kein, für westlich-zivilisierte, erkennbares System nach dem die Busse abfuhren. Es war einfach ein Fußballfeldgroßer Platz mit hunderten von Bussen, die dadrauf wartenden beladen zu werden. Eine Asphaltierung gabs nicht und so hatte sich der Platz, durch die nächtlichen Regenschauer, in ein großes Matschloch verwandelt. Freundlicherweise zeigte uns ein Junge, der vor dem Ticketschalter stand, den richtigen Bus.

Die Busse hier sind mit keinem uns bekannten Fahrzeugen zu vergleichen. Bus bedeutet hier: Ein 20 Tonnen off-road Fahrzeug auf 4 Doppelreifen mit 30 Sitzplätzen. Alles klappert und es gibt einfach kein überschüssigen Schnick-Schnack.  Aber schnell hatten wir gemerkt, dass diese Austattung absolut notwendig war. Denn schon die ersten paar Kilometer zeigten, dass ein solches Fahrzeug notwendig war, um mit der vom Fahrer eingeschlagenen Geschwindigkeit den miserablen Straßenbedingungen gerecht zu werden. Sowieso gibt es hier andere Fortbewegungszeiten, denn für die 150 Km nach Jiri, waren um die 10 Std. abgesetzt worden. Unglaublich für Menschen, die 150 Km in 1 1/2 Std. bewältigen. Die Schlaglöcher nahmen teilweise solche Ausmaße an, dass wir Angst hatten mit unsere Köpfen an die Gepäckablage über uns zu knallen. Mit ungefähr 25 Nepalesen sollten wir die Tour bestreiten und die einzigen anderen Ausländer waren ein Schweitzer Pärchen und ein Ire.   

Nach ungefähr 4 Std. Fahrtzeit, ging plötzlich gar nichts mehr. Der Verkehr vor uns hatte sich schon kilometerweit den Berg runter gestaut und es ging nicht mehr weiter. Nachdem mehrere Krankenwagen an unserem Bus vorbei in Richtung Tal vorbeigefahren waren, waren wir uns ziemlich sicher, dass irgendwo vor uns auf der Bergstraße ein Unfall passiert war. Irgendwann, nachdem das Warten langweilig wurde, haben Lasse und ich uns zwischen die Busse gesetzt um Karten zu spielen. Lustigerweise hatten sich nach nicht einmal 10 Minuten einige neugierige Kinder und Männer um uns gestellt und taten so, als ob sie noch nie ein Kartenspiel gesehen hätten. Aber vielleicht haben sie auch einfach vesucht, nur durch das Zugucken, die Regeln von Mau-Mau zu verstehen… Irgendwann begann es zu nieseln und langsam wurde es dunkel. Was heißt hier langsam, denn in diesen Breitengraden spannt sich das Gummi, das die Sonne am Himmel hält um 18:15 Uhr auf das extremste, bevor es um 18:30 Uhr reißt und die Sonne hinter den Horizont fällt. Nach kurzen 6 Stunden Wartezeit ging es dann im Stockdunkeln und bei heftigen Regenschauern weiter. Die nächsten Stunden nach Jiri bleibt uns nicht wirklich positiv in Erinnerung, denn mit noch höherer Geschwindigkeit ging es nun, auf immer schlechter werdenen Straßen, den Berg hinab. Draußen konnte man knapp noch wenige Meter weit sehen und der starke Regen verbesserte das ganze überhaupt nicht.

“Wenn wir heil in Jiri ankommen sollten, überleg ich mir vielleicht doch noch an Gott zu glauben!” – Lasse

Wir glauben, dass dieses Zitat die Situation sehr gut beschreibt. Denn wirklich sicher, dass wir heil ankommen würden, waren wir uns beiden zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Nach 4 langen Stunden voll Angstschweiß, kamen wir endlich im stockdunklen Jiri an. Wir hätten eigentlich nachmittags ankommen sollen, mit genug Licht uns umzugucken. Draußen regnete es immer noch in Strömen und da standen wir nun im dunklen und wenig belebten dorf. Glücklicherweise wusste einer der Schweizer, wo ein gutes Guesthouse war und nahm uns mit. Danke dafür!  

Die kommenden Tage in Jiri verliefen für uns sehr ruhig. Das Dorf war im Gegensatz zu Kathmandu gemütlich und idyllisch. Hier liefen fast mehr Hühner, Ziegen, Hunde und Katzen über die Straßen, als dass es Menschen gab. Das Zimmer war auch eher simpel gehalten, die Dusche auf dem Flur war kalt und das Wetter bewölkt…Außer vormittags, da kam die Sonne hervor und es ging dann für uns für mehrere Stunden auf den Berg. An einem Tag wurden wir vom Regen überrascht und standen plötzlich in den Wolken. Der lehmige Bergpfad nach unten verwandelte sich in eine reine Rutschpartie. Am anderen Tag haben wir vergeblich 4 Stunden steil bis auf ca. 3000m hinauf nach einer Käserei gesucht, die sich, wie sich später herausstellte, direkt hinter unserem Hotel befand. Doch die freundlichen Einwohner haben uns durch Handzeichen den Berg immer weiter hinauf geschickt…

Freitag, Abfahrt aus Jiri um 7:30 Uhr- diesmal im Microbus, der im Gegensatz zum großen Bus weniger Sitzkomfort bat, aber ein sehr viel ruhigeren Fahrstil hatte. Der größte Teil der Rücktour verlief in den Wolken und selbst die Pause hielten wir in einem so hochgelegenen Bergdorf, dass alles grau in grau verschwamm. Eigentlich hatten wir nicht vor, über die Rücktour so viel berichten zu müssen, doch es stellte sich leider schnell wieder anders heraus. Kurz nachdem wir das Dorf passiert hatten, in dem wir schon auf der Hintour Pause gehalten hatten, ging wieder einmal nichts mehr. Aus uns unersichtlichen Gründen schlängelte sich schon wieder kilometerweit eine bunte Karawane aus Bussen, Trucks, Mopeds und allerlei sonstigen Fahrzeugen. Nach 4 Stunden wussten wir endlich was los war. Die andauernden Monsunschauer hatten wohl ein großen Erdrutsch bewirkt, der die einzige Straße nach Kathmandu blockierte. Uns wurde von einem freundlichen Nepalesen, der in unserem Bus mitfuhr, mitgeteilt, dass es heute wohl keine Fortschritte mehr gäbe und die Arbeiten erst am nächsten Tag fortgesetzt werden sollten. Man erwartete frühestens am nächsten Mittag eine freie Spur durch die Geröllmassen. Dies bedeutete für uns wieder einmal warten und dieses Mal nicht nur 6 Stunden. Der Bus fuhr in den nächsten Ort zurück, wo wir Abendessen konnten und die Möglichkeit hatten uns nach einer Schlafmöglichkeit umzusehen. Für uns war das alles sehr aufregend. Bevor es Abendessen gab, bekamen wir noch das Angebot von einem freundlichen Nepalesen in einem privaten Zimmer etwas außerhalb zu übernachten, während die anderen notdürftig im Restaurant und im Bus untergebracht wurden. Erst wollten wir natürlich das Zimmer sehen und ehe ich mich versah, saß ich schon hinten auf seinem Motorrad und wir saußten gemeinsam in die Nacht. Anna wollte solange im Restaurant warten, denn es waren laut seiner Auskunft nur einge 100 m. Da uns das Zimmer zu weit von unserem Bus und somit auch Gepäck weg lag, während alle anderen Passagiere sich dort in der nähe aufhielten, lehnten wir sehr dankbar das Angebot ab und beschlossen uns im Bus die Nacht um die Ohren zu Schlagen. Nach Nepalesischen Dahlbat (einem Reisgericht, dass mit kleinen Schälchen mit extra Zutaten serviert wird und traditionel mit der Hand gegessen wird) und dem natürlich raubkopierten Film “The Experience” ging es dann in den Bus. Wie die Nacht verlief müssen wir wohl nicht extra beschreiben. Scheiße!

Früh am nächsten Tag ging es zum Erdrutsch um dadrauf zu warten, dass die 2 Frontlader es endlich schafften eine befahrbare Spur in die tausend Tonnen Gestein und Geröll zu graben. Nach 5 Stunden stellte sich aber herauß, dass diese zu schwach waren. Wiederrum 2 Stunden später kam denn ein Bagger an und im Anschluss die “Bomb Disposial” Einheit der Nepalesischen Armee. Leider war der Bagger dann doch stark genug die riesigen Gesteinsbrocken von der Straße zu befördern und um ca. 18:00 Uhr nach sehr langen 30 Stunden Wartezeit ging es endlich Richtung Kathmandu. Wo wir dann auch ohne Probleme abends um 22:00 Uhr angekommen sind.

Unser Fazit: “In Nepal braucht man schonmal 45 Stunden für 300 Kilometer!”

Kathmandu or काठमांडौ

September 19

Nepal – 29,5 Millionen Einwohner, 147.181 km² groß, 62 Jahre Lebenserwartung, 20 Jahre Durchschnittsalter,  48,6 % Alphabetisierungsrate, 82 % der Einwohner leben für unter 2 US$ am Tag und Platz 142 aus 177 im UN Human Development Index.

Über Dhaka ging es in einem 7 Stündigen Flug von Hong Kong auf das Dach der Welt, Nepal. Um genau zu sein nach Kathmandu und erst einmal auf 1600 m Höhe, in der wir um 23.00 Uhr am Dienstag, den 07.09.,  angekommen sind. Das Flughafengebäude, welches wir über das Rollfeld erreichten, bestand aus Ziegelsteinen, war klein und schäbig. Die Visas waren schnell geholt und das Gebäude verlassen. Kaum standen wir vor den Türen, wurden wir von zahlreichen Männern umzingelt, die anscheinend alle die perfekte Unterkunft für uns hatten. “Cheap and very nice!”. Nach langem hin und her hatten wir dann zwei Männer gefunden, die uns für ein paar Dollar nach Thamel, dem Backpackerviertel von Kathmandu, fahren wollten. Dann ging es los. In einem kleinen Bus durch die dunklen Straßen von Kathmandu. Schnell stellte sich herauß, dass zumindest der Beifahrer gehörig betrunken war und uns mit allem möglichen Scheiß bequatschte. Und schnell hatte sich ein schlechtes Gefühl aufgebaut. Wir wussten nicht, wohin wir auf den rumpeligen Straßen fuhren und wo wir waren, geschweige denn, ob wir den beiden trauen konnten. Nach 20 minütiger Taxifahrt wurden wir recht stutzig, als wir in einer dunklen Gasse anhielten, in der wir weit und breit nichts von Backpackern oder Hotels sahen, vorallem, weil die beiden gemeint hatten, uns direkt vor unserem gewünschten Hotel abzusetzen. Nach kurzem hin und her und noch intensiveren schlechten Gefühls fuhren wir weiter und die beiden ließen uns an einer Kreuzung stehen, an der wenigstens schon ein wenig mehr Leben herrschte. Mit unglücklich großen Dollarnoten, musste ich dem Taxifahrer etwas zu viel bezahlen. Auf der Kreuzung stand ein Pickup voll von bewaffneter Polizisten, die den beiden sichtlich Unruhe bereiteten, aber uns auf der anderen Seite ein besseres Gefühl gaben. Endlich hatten wir unsere Ruhe vor den beiden Männern, von denen wir sicher waren, dass auch der Fahrer zu viel Getrunken hatte. Überraschender Weise standen wir keine 200 m von unserem Hotel entfernt und selbst ein Doppelzimmer war frei für die nächsten Tage.

Die nächsten Tage Kathmandu waren eine freudige Mischung aus tausenden von Farben und Gerüchen, denn wo am vorabend noch Totenstille herrschte, war morgens ein Gewusel aus Menschen, fahrbaren Untersätzen und tausenden von winzigen bis kleinen Handwerksläden und Geschäften entstanden, in denen man Gewürze, Stoffe, Skulpturen, Räucherwerk, Gebetsfahnen usw. kaufen konnte. Selbst außerhalb Thamels nahmen die vielen Geschäfte kein Ende. In kleinen Nischen standen kleine Götterschreine, mit rauchenden Räuchestäbchen und roter und gelber Farbe beschmiert. Größere Stupas (buddhistische Statuen und Gebilde) standen auf Plätzen und Kreuzungen, über die sich Menschenmassen und Rickshas und Taxen drängten. Zu unsere Freude, waren überraschend wenige Touristen unterwegs und überall wurde man angesprochen, ob man nicht mit reinkommen wollte um sich die Waren anzuschauen, ob man mit der Ricksha/Taxi igendwohin wollte oder man bekam eine Visitenkarten von tausenden von Reiseagenturen in die Hand gedrückt, die einem alle erdänklichen Reisen oder Abenteuer buchen konnten.

Am Donnerstag steuerten wir den Hanuman Dhoka Durbar, den alten königlichen Palast an (Durbar heißt soviel wie Palast). Natürlich liefen wir die paar Kilometer zu Fuss, um noch mehr von der Stadt sehen  zu können. Nach der 30-minütigen Führung durch die vielen Tempel und Schreine mit vielen Erklärungen zu den Göttern und religiösen Bildern, fanden wir die Möglichkeit auf einer Dachterasse Pause zu machen, von der wir einen sehr guten Blick über die Stadt hatten. Nachdem wir wieder zurück gebummelt waren, war es auch schon fast Abendessen Zeit. Denn in ganz Nepal geht man sehr früh ins Bett und selbst die Clubs und Bars machen spätestens um 00:00 Uhr zu. Dies war auch die Erklärung dafür, dass wir Kathmandu während der Taxifahrt so verlassen erlebt haben.

The biggest temple at Hanuman Dhoka Durbar

 

 Am nächsten Tag wanderden wir gleich zu zwei großen und wichtigen religiösen Anlagen. Die erste erreichten wir um die Mittagszeit. Diese nannte sich Pashupatinath und ist eine von Nepals wichtigstens Hinduistischen Tempeln, in dem zum Gott Shiva gesprochen wird. 5 Km außerhalb des Zentrums und direkt am Bagmati River gelegen, lag diese Tempelanlage schön idyllisch und die Natur grenzte bis unten an den Fluss. Auf der anderen Flussseite waren auch noch viele Schreine und kleinere Tempel zu besichtigen. 2 Km weiter und nach einem angenehmen Fussmarsch durch die viel ruhigeren Außengebiete von Kathmandu erreichten wir Bodhnath, einer der größten Stupas Nepals. Stupas sind runde religiöse Gebilde, von denen wirklich alle Teile irgendeine religiöse Bedeutung haben. Im buddhistischen Glauben ist es wichtig im Uhrzeigersinn um diese Stupas zu laufen, genauso wie das Drehen der vielen Gebetsmühlen nur im Uhrzeigersinn geschehen soll. Alles andere bringt Unglück. Von der Spitze der Stupa waren viele Hundert Gebetsfahnen gespannt, auf denen Gebete gedruckt sind und die es nur in grün, rot, gelb, blau und weiß gibt. Die goldene Spitze glänzte im Sonnenlicht und wir hatten die Möglichkeit den Mönchen bei ihren Zeremonien rund um die Stupa zu zu sehen.  Nachdem sich Anna noch von dutzenden von Perlen überreden ließ diese zu kaufen, gings per Taxi die 7 km wieder zurück in unser Hotel.

Bouddhas eyes are watching us

Die anderen Tage waren wir damit beschäftigt durch die Straßen zu bummeln, um noch ein paar Einkäufe zu erledigen und weitere Planungen zu unternehmen. Nach der Woche Großstadt hatten wir uns schnell beschlossen in die ländliche Gegen zu fahren und noch höher und noch näher an das Hochhimalaya zu kommen. Übers Wochenende zogen wir los und organisierten Bustickets nach Jiri, das 150 km von Kathmandu und 60 km vom Mt. Everest entfernt auf ca. 2000 m liegt. Das Bergdorf versprach uns ein wenig Ruhe von der Großstadt zu bekommen und Nepal von der richtigen Seite kennen zu lernen.