Ride To Life Riding the World

Singapore

Februar 21

Der Flug an sich war weniger aufregend und ging zügig von statten. Am Singapurer Flughafen angekommen, schlossen die Eltern von Anna ihr Gepäck schon mal ein, denn die beiden sollten ja schon am Abend ihren Rückflug nach Deutschland antreten.

Ihr seht schon, gutes Timing ist Alles!

Dann ging es mit der MRT gen Stadtzentrum. Zwar nicht ins Central Businnes Destrict, aber immerhin ins zentrale Little India, denn dort lag unsere gebuchte Unterkunft. Das Viertel war wieder einmal sehr gemütlich. Die großen Verkehrsadern wurden zu kleinen Gassen und die kleinen alten Häuser reihten sich dicht an dicht von einem Ende bis zum anderen. Selbst wenn der größte Teil Singapurs Bevölkerung chinesischer Abstammung ist, wird das Straßenbild eher selten von asiatisch aussehenden Menschen unterbrochen. Auch viele der Straßenschilder und Aushänge sind auf indisch verfasst, was dem Ganzen noch mehr Flair gibt. Im Inncrowd Hostel angekommen bezogen wir 2 Betten im 12 Bett Zimmer, denn alles andere kann man sich als Budgetreisender nicht leisen, da die Doppelzimmer gerne mal die 40 € Marke überschreiten und da waren uns die 10 € für das Mehrbettzimmer deutlich lieber.

Nach einem indischen Spätnachmittagsessen, hieß es dann auch schon wieder Abschied von Annas Eltern nehmen. Zusammen machten wir uns noch auf zur nächsten MRT Station, von der sich Bettina und Hotte dann gen Flughafen aufmachten und wir in Richtung Stadtzentrum fuhren, um ein wenig in das Spektakel des chinesischen Neujahres einzutauchen. Wir waren auf den Tag vor Neujahr in Singapur angekommen und da dieses auch durch Feuerwerk und diverse andere Aktivitäten bis zum frühen Morgen zelebriert wird, machten wir uns erst mal auf den Weg nach Chinatown. Wie wir vermutet und auch schon gehört hatten, war Chinatown brechend voll. Der Rezeptionist in unserem Hostel hatte uns vorher erklärt wie der erste von vierzehn Tagen des chinesichen Neujahres von statten geht. Verwunderlich war, dass sich dieses gar nicht so doll von unserem Neujahr unterscheidet. Am Nachmittag finden die Familien zusammen um gemeinsam schonmal das Haus zu schmücken und das Festessen am Abend vorzubereiten, welches in den allermeisten Fällen sehr üppig ausfällt und bei der durchschnittlichen Größe einer chinesischen Familie zu einem erheblichen Arbeitsaufwand wird. Nachdem die Vorbereitungen vollbracht sind, wird natürlich mit der ganzen Familie zusammen gegessen. Zu dieser Zeit wird Chinatown wohl wie ausgestorben gewirkt haben. Um 20:00 – 21:00 Uhr sind die meisten Familien fertig mit dem Essen und tausende von Menschen strömen auf die Straße um bis weit nach Mitternacht das Straßenleben zu genießen, welches vor allem durch das Abgreifen von heruntergesetzten Waren in den Straßen besteht, denn Abends heißt es nicht „Winterschlussverkauf“ sonder „Jahresschlussverkauf“, was in Menschenmassen mit Einkaufshysterie resultiert.

Hier hielten wir es dementsprechend auch nicht wirklich lange aus und machten uns auf den Weg zur Marina Bay, von wo aus wir das Mitternachts-Feuerwerk sehen wollten. Wir fuhren also mit der MRT so nah wie möglich an die Marina Bay und machten uns von dort aus zu Fuss auf den Weg. Auf der letzten Strecke bemerkten wir erst wie ausgeklügelt, aber auch kompliziert manche Etappen durch die Stadt gelegt wurden. Denn von der MRT Station ging es durch unterirdische Einkaufszentren bis dicht an die Marina Bay Promenade. Wir hatten also von Chinatown nur einmal kurz die Oberfläche gesehen, bevor wir 4 Km weiter dort waren, wo wir hin wollten. Irre!

Das Feuerwerk war großartig und verdammt laut. Wir hatten es kurz vor 00:00 Uhr zur Promenade geschafft und waren schon echt kaputt von diesem mal wieder sehr langen Tag, aber die Ansicht war es definitiv wert gewesen. Das Feuerwerk über der Marina Bay umringt von der Skyline von Singapore war schon ein bewundernswerter Anblick.

Nachdem das Spektakel vorüber war, ging es natürlich wieder unter der Erde zurück zur MRT Station und ab nach Hause nach Little India, wo wir in unserem Hostel einfach nur noch ins Bett fielen.

Am Mittwoch passierte nicht viel. Wir schliefen bis 11:00 Uhr, machten uns Frühstück und lungerten mehr oder weniger den ganzen Tag auf der Liegewiese im Aufenthaltsraum und Foyer unseres Hostels rum und beobachten das Leben hier, guckten Filme und machten einfach mal Nichts. Abends kochten wir uns noch Käsenudeln in der Hostelküche und ernteten dafür einige neidvolle Blicke von anderen Reisenden, doch leider schmeckte die Fertigsoße eher schlecht als recht. Am Abend saßen wir noch zusammen mit anderen vor unserem Hostel und tranken Bier und redeten viel. Dabei lernten wir Cora, Hauke und Benny aus Deutschland kennen, die in Malaysia für ein halbes bzw. ganzes Jahr Freiwilligenarbeit verrichteten und durch die Ferien auf Grund vom chinesischen Neujahrs die Möglichkeit hatten, nach Singapur zu reisen.

Mit ihnen verabredeten wir uns für den nächsten Tag auf einen Zoo-Besuch im Zoo von Singapur. Welcher sich als außerordentlich schön, aber auch riesig herausstellte. Hier gab es wirklich viele Tiere zu sehen und auch viele Tiere, die ohne ein richtiges Gehege auskommen konnten und nur von natürlichen Barrieren voneinander getrennt waren und da der Zoo in mitten von Dschungel erbaut worden war, sah dies auch noch auf vielen Teilen sehr natürlich aus. Wir brauchten ungefähr 5 Std. für den Zoo und hatten noch nicht mal Alles angeschaut, geschweige denn alle Informationstafeln gelesen. Aber länger wäre es auch zur Quälerei geworden, denn zusammen mit dem heißen Wetter und dem ständigen hin und her laufen, waren wir bald alle ziemlich kaputt und traten erschöpft, aber glücklich den Heimweg an. Am Abend traf man sich wieder zum Bierchen trinken vor unserem Hostel und als es langsam wieder frühmorgens zu werden drohte, verabschiedeten wir uns von einander und gingen endlich ins ersehnte Bett.

Dann brachen auch die letzten Stunden für uns in Singapur an und wir machten alles fertig für unseren Weiterflug nach Ho Chi Minh City in Vietnam. Wir gammelten noch ein wenig herum, bevor wir uns auf den Weg zum Flughafen machten, von wo wir wieder einmal in ein neues Land aufbrechen würden.

Surfing The East Coast

Februar 6

In Khota Bahru angekommen, nahmen wir ein Taxi ins Stadtzentrum, welches der Taxifahrer gerade noch finden konnte. Zu unserer Zielunterkunft, wurde es schon schwieriger, aber nach etwas hin und her und dem heraußfinden der genauen Adresse, schaffte er es dann doch uns wenigstens in der richtigen Straße rauszulassen. Leider war die Unterkunft unauffindbar und da wir keine Lust hatten noch länger zu suchen, nahmen wir das erstbeste was wir fanden. Was sich mehr als erstes, aber weniger als bestes hergab. Schäbige kleine fensterlose Boxen galten als Zimmer und die sanitären Einrichtungen, falls man diese so nennen wollte, waren nicht unbedingt einladend. Mehr sei hierzu nicht gesagt, aber es sollte ja nur bis zum nächsten Morgen sein.

In der Stadt selbst war nicht sehr viel los. Wir kamen um 2130 Uhr an und fanden eine fast ausgestorbene Stadt vor. Die meisten Geschäfte  hatten schon geschlossen und etwas essbares zu finden, stellte sich auch als nicht wirklich leicht herauß, wenn man nicht unbedingt Fastfood und ähnliches zu sich nehmen wollte. Ein weiteres Problem, war, dass viele große Restaurantketten, die kleinen, als sehr gut beschriebenen lokalen Restaurants, aufgekauft hatten und nun Filialen von Pizza Hut, Mc Donalds, Pizza Heaven und co. an den Straßenecken prangten. Leider hatten wir durch diese vielen negativen Aspekte Khota Bahru als nicht wirklich schön in Erinnerung. Doch sollte es am nächsten Tag noch nicht besser werden.

Da wir nicht richtig wussten, wohin mit uns an der Ostküste, steuerten wir das kleine Fischerdörfchen Merang an, um rauß aus der Stadt zu kommen. Von Khota Bahru bis hier her nahmen wir uns ein Taxi, da sich der Preis nicht wirklich von dem für vier Bustickets unterschied und es dazu noch komfortabler von statten ging. Doch auch Merang machte keinen guten Eindruck. Durch das mehr schlechte als rechte Wetter noch verstärkt, machten die handvoll heruntergekommenen und komplett leeren Unterkünfte und das Wenige, welches dazwischen lag, keinen sehr belebten und einladenden Eindruck auf uns. Da wir es nicht darauf ankommen lassen wollten, in diesem Örtchen, in dem wir keine einzige Möglichkeit gesehen hatten uns zu verpflegen und eher alles schlief, festzusitzen, verlängerten wir die Taxifahrt nach Kuala Terengganu, der nächsten größeren Stadt.

Da wir hier wieder an einem Verkehrsknotenpunkt angelangt waren, konnten wir ohne Probleme auch noch die letzte Etappe für diesen Tag hinter uns bringen. Die letzten 150 Km unserer unbestimmten Reise, sollte uns in den kleinen Küsten und Surf-Ort Cherating führen. Dieser stand für später sowieso auf unserem Programm und so schadete es auch nicht, hier schon ein paar Tage vorher anzulanden und wieder einmal die Füße hochlegen zu können. Der Bus setzte uns auf dem Küstenhighway 3 ab. Von hier war es noch 1 Km runter in das kleine Dorf, was wir zu Fuß bewältigten.

Cherating bestand aus nicht mehr als 2 Straßen, ein paar wenige Geschäften, Unterkünften, Restaurants und Bars. Das Dorf erstreckte sich an dem kilometerlangen Sandstrand und war gen Hinterland von dichtem Dschungel und Mangroven abgeschirmt. Gleich spürte man wie das schläfrig gemütliche Strandleben auf einen einwirkte. Hier war der perfekte Ort zum lange schlafen, spät ins Bett gehen und dazwischen nicht viel mehr tun als Kaffee oder Bier trinken, am Strand liegen oder auch auf guten Wellen warten und surfen. Kein Wunder, dass viele die einmal hier landen, meistens länger als geplant bleiben. Hier verbrachten wir nach dem schnellen Reisetempo der letzten Tage eine gute Woche, in der wir nicht mehr zu tun hatten als oben. Doch eine Sache machten wir doch noch. Zed, der supernette Besitzer einer Strandbar, fuhr mit uns in seinem Pick-Up in den nächsten größeren Ort um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen und wir bummelten zusammen mit ihm durch das Einkaufszentrum.

Anna und ich versuchten uns beide im Surfen, mussten jedoch einsehen, dass es sehr viel mehr Kraft brauchte sich gegen die Strömung und Wellen zu stemmen, als wir bisher angenommen hatten und dementsprechend waren wir die Tage nach unseren Versuchen, auch meist ein wenig gerädert. Doch selbst die zwei Tage, die wir versuchten uns auf den Brettern zu halten, brachten schon Fortschritten und wir freuen uns schon an der vietnamesischen Küste weiter zu machen, womit wir in Malaysia angefangen hatten.

Die Woche verging trotz des vielen Nichtstuns, sehr zügig und schon bald mussten wir uns entscheiden, welchen Zwischenstopp wir noch einlegen wollten auf unserem Weg nach Singapur. Die Wahl fiel auf Kuantan. Einer größeren Stadt an der Ostküste und nur knapp 50 Km südlich von Cherating gelegen. Hier verbrachten wir noch die letzten Nächte bis Annas Eltern von Singapur wieder nachhause fliegen sollten.

Eigentlich wollten wir mit dem Expressbus direkt nach Singapur fahren, doch dies wurde, aufgrund der massiven Überflutungen im südlichsten Staat Festlandsmalaysias Johor, zu einem nicht machbaren Unterfangen. Mittlerweile waren schon ca. 50.000 Bewohner evakuiert und eine handvoll war bereits durch die Wassermassen umgekommen. Angesichts dessen, entschieden wir uns deutlich gegen eine Busfahrt nach Singapur, welche auch mit den normalen Bussen gar nicht mehr durchführbar war. Da uns auch keiner sagen konnte, ob sich die Situation verbessern oder noch weiter verschlechtern würde, war unsere einzige Chance, so schnell wie möglich nach Singapur zu kommen, uns einfliegen zu lassen. Dies war auch notwendig, da wir vier, in den nächsten Tagen noch Flüge erreichen mussten. So buchten wir kurzer Hand 4 Plätze in einer 60 Passagiere Propellermaschine von Kuantan direkt nach Singapur. Da der früheste Flug erst einen Tag später ging, verlängerte sich unser Aufenhalt in Kuantan um eine Nacht.