Ride To Life Riding the World

It’s gonna higher up but the top isn’t reached

April 16

10 Std. saßen wir im Bus um dann in der 4. größten Stadt Boliviens anzukommen, die auf 2500 m in den Anden lag. Am späten Nachmittag kamen wir hier an und merkten schnell, dass es hier schon einige Grad kälter war. Aber immer noch konnte man tagsüber mit kurzer Hose und T-shirt herumlaufen. Cochabamba hatte wieder mal eine super schöne Altstadt, die sich durch enge Gassen, alte Gebäude und schönen Plätzen heraus machte. Im Gegensatz zu Santa Cruz bekam die Stadt jedoch ein besonderes Flair – gelegen in einem Tal und umringt von hohen Bergen.

Am Mittwoch besuchten wir die mittlerweile 2. größte Jesus -statue der Welt, die mit einer Höhe von 40 m auf einem Hügelgipfel am östlichen Rand der Stadt über das Tal wachte. Sie ist sage und schreibe 40 cm höher als ihr Zwilling in Rio de Janeiro und wird seit 2010 von einer Statue in Polen überragt. Wir machten uns auf zum Fuße des Hügels, wo wir die Seilbahn zum Gipfel nahmen. Erstens hatten wir keine Lust die 1250 Stufen bis nach oben zu laufen und zweitens gab es auf dem Weg nach oben immer wieder Berichte von Überfällen auf Touristen. Die Statue war schon sehr imposant, doch die Aussicht, die man von hier aus über die Stadt und das Tal hatte, war noch schöner. Hier in Cochabamba gab es wieder jede Menge an kulinarischen Neuheiten zum Ausprobieren. Dies reichte vom frisch auf der Straße gepressten Orangensaft bis zu den vielen Teigtaschen die es in Bolivien gibt. Saltenas z. B. waren gefüllt mit einer Art Gemüse- und Fleischeintopf, dessen Rezeptur von Verkäufer zu Verkäufer immer änderte und so wusste man nie genau, wie die warmen Teigtaschen schmecken würden. Viele von diesen Straßenverkäuferinnen und generell viele Frauen waren eher breit als hoch und liefen in der Anden-Tracht herum. Diese Tracht besteht aus Röcken, Schürzen, Blusen und Hüten sowie aus bunten Schals und Tüchern. Eine weitere Besonderheit waren die vielen Schuhputzer, die sogenannten Lustrabadores, um die Plazas herum, die ihren Kunden auf erhöhten und überdachten thronähnlichen Stühlen die Lederschuhe wieder auf neuen Glanz brachten.

Von Montag bis Freitag belegten wir zu zweit einen 30 Std. Spanischkurs im deutsch-bolivianischen Institut. Wir hatten von vormittags 4 Stunden Unterricht und dann nochmal am Abend 4 Stunden. Da wir nur eine Woche belegt hatten, machten wir eine Mischung aus Phrasen und Grammatik mit deutlichem Schwerpunkt jedoch auf Vokabeln. Die Woche verging vergleichsweise schnell um bei 8 Std. Programm am Tag. Am Freitag schlossen wir unseren Kurs mit einem Besuch im Kloster Santa Theresa ab, welches inmitten von Cochabamba liegt und um 1500 vom Carmelite Nonnenorden erbaut wurde. Als wir den Komplex betreten hatten, fühlten wir uns in eine andere Welt versetzt. Die Geräusche von der Straße erstarben völlig und wir wandelten durch die alten Säle und Räume, die um einen wunderschönen Innenhof erbaut waren. Sogar bis aufs Dach der alten Gemäuer stiegen wir, von welchem wir einen schönen Ausblick auf die umher gelegenen Berge und die Stadt hatten. Sobald ein Mädchen für einen horrend hohen Geldbetrag dem Orden beigetreten war, musste diese eine Probezeit von 3 Jahren absolvieren, um daraufhin das ganze Leben dort zu bleiben. Der Kontakt zur Familie wurde auf eine Stunde im Monat begrenzt und erfolgte abgegrenzt zwischen Gittern und Vorhängen. Auch der Kontakt zur weiteren Außenwelt war auf reines Reden begrenzt und war nur während dem Verkauf von Sachen und Spendenentgegennahmen erlaubt. Dies wurde mit einem Drehschrank durchgeführt, sodass auch kein Augenkontakt zustande kam. Auch der Kontakt zu anderen Nonnen war auf eine Stunde am Tag begrenzt und den Rest der Zeit wurde mit religiösen Studien und Gebeten verbracht. Erstaunlicherweise leben heutzutage immer noch 14 Nonnen im Konvent, jedoch unter weit menschlicheren Bedingungen nach dem der Vatikan die alten Regeln um 1950 lockerte.

Zum Glück hatten wir unsere Lehrerin dabei, denn sonst hätten wir die zahlreichen Erzählungen vom Guide nicht verstanden. Der Rundgang dauerte 1 ½ Std. und danach machten wir uns schon fertig zur Abreise, denn am Abend sollte es gen Potosi gehen.

South America – The Journey comes to a Change – Santa Cruz de la Sierra

April 16

Nachdem wir 2 Tage in Santiago de Chile, der Hauptstadt Chiles, verbracht hatten, ging es am 19. März von hier über Iqueque, im Norden Chiles, indirekt in die bolivianische Stadt Santa Cruz. Leider war die einzige Verbindung von Santiago nach Santa Cruz so gelegt, dass man mitten in der Nacht ankam und da wir keine Unterkunft gebucht hatten, hatten wir wenig Lust im Dunkeln planlos in einer südamerikanischen Stadt herumzuirren, von dem einem sowieso eher abgeraten wird. So verbrachten wir die Stunden bis zum Sonnenaufgang im Viru Viru International Airport, der zur keiner Zeit wirklich leer war, obwohl zwischen 2:30 Uhr und 7:00 Uhr gar keine Maschinen starteten oder landeten. Zur Freude unserer Mägen gab es ein relativ günstiges Bistro, welches die ganze Nacht geöffnet hatte und wir nahmen ein sehr verspätetes Abendessen ein und sogar Bier.

Um 7:00 Uhr nahmen wir dann einen öffentlichen Bus ins Zentrum, der uns dann nahe, der von uns angegeben Straße absetzte. Santa Cruz war wie ausgestorben. Fenster und Türen waren verrammelt, vereinzelnd sah man Menschen und überall lag Müll herum. Ein kurzer Gedanke an den Tag gab uns schließlich die Erklärung für das verlassene Stadtzentrum – es war Sonntag Morgen. Es war eine sehr interessante Stimmung. Aus der großen Kathedrale kamen die Gesänge der Sonntagsmesse und Palmen standen vor alten, dicht aneinander gequetschten Kolonialbauten. Die ersten zwei Unterkünfte waren voll, obwohl wir keinen einzigen Menschen dort sahen. Das dritte Guesthouse war uns eigentlich zu teuer und das vierte war preislich genauso, jedoch war es schöner und inklusive Frühstück. Leider wurde unser Zimmer erst gen Mittag freí und so fristeten wir unser müdes Dasein, mit dem Gefühl noch nicht richtig angekommen zu sein, zwischen Hinterhof des Guesthouses und einem nahegelegenen Café. Dort lud uns ein älterer Herr ein uns zu ihm zu setzen und uns mit ihm zu unterhalten, welches mehr schlecht als recht von statten ging auf Grund unserer noch sehr schlechten Spanischkenntnissen. Aber zumindest ging das Bier auf seine Rechnung. Die zwei Tage in Santa Cruz benutzten wir schon mal um die Ruhe und die Schläfrigkeit Südamerikas auf uns wirken zu lassen.

Santa Cruz ist die größte Stadt Boliviens und liegt auf ungefähren 500 m im Flachland. Die Berge waren von ihr aus nicht zu sehen und wir waren definitiv in einer tropischen Stadt angekommen. Das Stadtleben zentrierten sich um den hübschen Plaza de Septiembre, der mitten von Kolonialbauten und im Schatten großer Palmen lag. Dort hielten sich den ganzen Tag viele Einheimische auf um entweder mit freunden zu reden oder einfach dem Straßentreiben zuzuschauen.

Santa Cruz ist zwar die größte Stadt des Landes, aber viel zu tun gab es hier nicht. Deswegen ging es schon am Dienstag in einer langen langen Busfahrt nach Cochabamba.