Mai 30

Am nächsten Tag – Mittwoch- ging es für uns in 6 Std. in die Salzwüstenstadt Uyuni.

Die 20.000 Einwohner Stadt ist wohl der letzte größere Außenposten vor der unwirtlichen Landschaft des Südwestens. Zudem gilt die Stadt als Ausgangspunkt für die Touren über den Salzsee und weiter gen chilenische Grenze. Außer den angebotenen Standarttouren waren aber auch noch weit abenteuerliche Ausflüge möglich. Wir beiden hatten uns in den Kopf gesetzt aus den normalen 3 Tagen eine 4-5 Tagestour zu unternehmen, um den abgelegenen Vulkan Uturuncu zu erklimmen, der knapp über 6000m liegt und nicht Teil der üblichen Exkursion ist. Nach dem Einholen von Informationen wurde uns allerdings ziemlich schnell bewusst, dass dieses Unterfangen durch den Mangel von Gleichgesinnten nicht ausführbar war. Wir fanden zwar Interessierte doch die Kosten lagen bei einem nicht ganz vollbesetztem Jeep einfach zu hoch für uns.

So trafen wir auf Tanja und Mathiass, zwei Hamburger, die mir dem Motorrad unterwegs waren waren und nachdem wir uns abends wieder getroffen hatten, beschlossen wir die Spezialtour erst mal sein zu lassen und einem Tipp nach, den Salzsee in einem öffentlichen Bus nach Llica, einem kleinen Dorf auf der anderen Seite, zu überqueren. Der Vorteil hierbei war der günstige Preis und, dass der Bus den See komplett überquerte. Vom Einholen der Informationen wussten wir nämlich, dass die Jeeps aufgrund des Wasserspiegels auf der Salzkruste nicht sehr weit hinauf fuhren und nach ein paar Kilometern umdrehten. So verabredeten wir uns für den nächsten Morgen am Abfahrtsort des Busses. Der Bus war voll besetzt und auch bis zum Anschlag beladen. Der wahrscheinlichste Grund hierfür war vermutlich der gerade gewesene Markttag in Uyuni und so waren die Bewohner von Llica herüber gekommen um ihre Besorgungen zu erledigen. Nun ging es für 25 Menschen, 100 Liter Cola und Bier, sowie für etliche Kilo Reis und diverses anderes Gemüse in 6 Std. über die wundersame Salzfläche.

Der „Salaar de Uyuni“ ist der größte See seiner Art und besitzt auf seiner Oberfläche eine bis zu 15 m dicke Salzschicht, die es Fahrzeugen erlaubt diesen das ganze Jahr zu überqueren. Die 15m Salz bilden eine ziemlich sichere Fläche für solche Überfahrten, auch wenn es schon während der Regenzeit zu Einbrüchen gekommen ist. Dennoch verlief unsere Fahrt ohne Probleme und wir konnten sogar zwei mal aussteigen um Fotos zu schießen und die Landschaft hautnah zu erleben. Das Fantastische ist, dass, wenn der See trocken liegt, man eine unendliche glatte Fläche um einen herum hat und das einzige, was am Horizont zu sehen war, waren die weit weit entfernten Berge. Sobald allerdings einige wenige Zentimeter Wasser auf der Salzkruste liegen, verschwimmt allles wahrnehmbare. Man selbst fährt durch ein endloses Wolkenmeer und der Horizont verschwindet komplett durch die perfekten Spiegelungen. Die Fahrten durch diese surreale Landschaft waren atemberaubend und das kleine Dorf Llica, in dem wir ankamen, trug zu unserem kleinen Abenteuer nur bei. Es gab zum Glück zwei kleine Gasthäuser, in den wir unterkommen konnten. Außer uns waren keine Reisenden hier, was sehr schön war. Am Abend wohnten wir noch eine gut besuchten Sportveranstaltung in einer großen Halle bei, die sich aber sehr in die Länge zog und wir irgendwann schlafen gingen.

Zurück in Uyuni beschlossen wir uns dann einer normalen 3-Tagestour anzuschließen, was wir letztendlich auf keinen Fall bereuten. Zusammen mit 2 finnischen Mädchen aus Helsinki, einem verrückten Peruaner und seiner englischen Freundin ging es am ersten Tag auf den Salzsee, welchen Anna und ich schon zu genüge kennengelernt hatten und froh waren, dass der einzige Eindruck des Sees nicht durch ein Dutzend andere Jeeps und dementsprechend vielen Menschen getrübt wurde. Was allerdings schön anzusehen war, war der Eisenbahnfriedhof am Rande der Wüste wo alte ausrangierte Lokomotiven vor sich hin rosten und zusammen mit den umliegenden Schneegipfeln einen unterhaltsamen Anblick liefern. Die erste Nacht verbrachten wir in einem kleinen Dorf südlich des Salzsees und wir beide waren auf die nächsten beiden Tagen gespannt, die uns in die wüste Landschaft der Hochanden auf 4000 m – 5000 m führen sollte. Den ganzen 2. Tag ging es durch die Geröll-landschaft dieser Höhen. Die einzige Vegetation, die noch verblieb, waren Gräßer, die zwischen dem Geröll wuchsen. Wir waren nun so hoch, dass es auch tagsüber sehr kalt war und die Schneegrenze, die auf Grund zur Nähe zum Äquator hier sehr hoch liegt, lag nur etwa 100 m über den Schotterwegen die wir befuhren.

Das Besondere an den Landstrichen, war, dass hier und da flache Bergseen, sogenannte Lagunen gab, die tatsächlich von einer speziellen Art der Flamingos bewohnt wurden. Dieses Schauspiel trug nicht gerade dazu bei, die Landschaft für unser eins realitätsnäher zu gestalten. Am frühen Abend kamen wir zur sogenannten Laguna Colorada, die durch eine seltene Algenart rotes Wasser besaß, welches sehr merkwürdig anzuschauen war. Mitten im Nichts gab es hier einige wenige simple Unterkünfte die wir an unserer 2. Nacht belegten. Die Nacht war relativ kurz da wir schon um 4:00 Uhr morgens im stockdunklen und bei gefühlten 40° Celsius unter Null aufbrachen. Der erste kurze Stopp war ein Feld von Geysiren auf 5000 m Höhe doch viel konnten wir nicht sehen, da es noch nicht wirklich heller geworden war, und wir sollten später am Tag nochmals hier hin zurückkehren. Hier wurde deutlich welche vulkanische Aktivität herrschen musste, denn die Wasser- und Schlammlöcher blubberten freudig vor sich hin und überall schoss heißer Wasserdampf aus Rissen in der Erde. Auf dem letzten Stück gen chinesischer – ach ne, chilenischer Grenze – hielten wir zum frühstücken an heißen Thermalquellen die uns bei Sonnenaufgang nach dem frostigen Start in den Tag wieder aufwärmten.

An der chilenischen Grenze verließen uns die 2 Finninnen an dem wohl einsamsten Grenzposten der Welt und von hier ging es in einer langen Fahrt zurück nach Uyuni, von wo aus wir uns schon Zugtickets in Richtung La Paz gekauft hatten. Wir kamen am frühen Abend an und unser Zug ging kurz nach Mitternacht nach Oruro. Wir überbrückten die Zeit mit Abendbrot und Rumgehänge in den Restaurants, während unser Gepäck von Jakob, einem Dänen, den wir auf der Tour kennengelernt hatten untergebracht war. Leider war er am letzten Tag krank geworden und konnte uns keine Gesellschaft leisten. Gute Besserung an dieser Stelle! Der Zug war super bequem und nach den 3 Tagen Dauerprogramm schliefen wir die 7 Std. nach Oruro komplett durch. Von Oruro waren es noch 3 – 4 Std. Busfahrt in die größte Stadt Boliviens.